Samstag, 18. Dezember 2010

Der Wutbürger hat es geschafft

Nun ist der Wutbürger endlich dort angekommen wo er hingehört: Er ist Mensch Wort des Jahres.
Das ruft ihn natürlich auf den Plan, den Wutbürger. Wer schon beim Namen genannt wird, der meldet sich zu Wort. Und wie damals, als er seinen Namen bekam, geifert er auch jetzt wieder los und vor Allem dagegen. Quasi gegen sich selbst. Der Wutbürger kann eben nicht anders.
Dabei passt der Wutbürger wirklich vortrefflich zum Jahr 2010. Klimawandelleugnerleugnergegnerskeptiker, Bahnhofsnichtversteher, Migrantengenangsthasen, Castorschotterer, Schulprotestler, Vuvuzelaunerhörer, Rücktrittspräsidenten, Streetviewverpixeler - das ganze Jahr war voller Aufstände des kleinen Mannes gegen die großen der Republik. Und dieses diffuse Gefühl von "dagegen" schrumpft im Wutbürger auf das zusammen was es in der Essenz der ganzen Protestiererei ist: Der ganz einfache Zorn des unscheinbaren Unbeteiligten.
Sicher, es gab auch andere Worte. "Krieg" etwa oder "Stuttgart 21". Die Ölpest am Golf kam auch nicht vor und die Aschewolke hat es gerade mal auf Platz 8 geschafft. Aber alles was dieses Jahr die Menschen bewegte, knarzte vom großzügig eingestreuten Getriebesand des Wutbürgers. Sogar die Wahl des Wutbürgers zum Wort des Jahres.
Betrachtet man die Liste der Wörter des Jahres mal nüchtern, dann ruft jedes genau das ins Gedächtnis, was das Jahr prägte. Das wird der "Wutbürger" in drei oder vier Jahren auch tun. Er ist die Verbindung zwischen den vielen Empörungshöhepunkten in diesem Jahr.

Etwas anderes ist auch interessant. Ich bin drauf gekommen als ich Zettels Artikel auf Platz eins der Google-Trefferliste gesehen habe. Der "Wutbürger" ist ein ungern gesehener Cousin des "Gutmenschen". Google liefert mehr als 40.000 Wutbürger, mehr als 13.000 davon in einem Text mit Gutmenschen. Fast jeder dritte Beitrag zum "Wutbürger" ist demnach zumindest mit dem Verweis auf ein Wort geschrieben, dass offensichtlich außer Diffamierung und Stigmatisierung keinen Zweck hat.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Wer ist's gewesen?

Angenommen der Bürokrat ANTON weiß etwas über die Partei in deren Zentrale er arbeitet. Er plaudert darüber mit dem amerikanischen Diplomaten BERT. Unter der Hand erzählt er beim Mittagessen - man trifft sich halt manchmal - vielleicht aus Zorn, vielleicht aus Enttäuschung, Peinliches von seiner Arbeit. Der Diplomat merkt sich das, notiert sich alles und kabelt es dann gen Heimat. Denn, als guter Diplomat meldet man alles. Und so macht es BERT.
In Amerika sitzt CHARLES vor dem Computer und sammelt die eingehenden Kabeleien. Er sortiert, archiviert und am Ende stellt er sie in ein Netz, damit alle 2,5Mio diplomatisch arbeitenden Amerikaner das lesen können. So liest denn auch DAVE mit, der allerdings weniger an den Nachrichten interessiert ist. Denn gebrauchen kann er sie nicht. Aber DAVE kopiert gerne und nimmt sich Kopien von der Kabelei von ANTON und BERT und dem was CHARLES noch so alles archiviert hat und verschenkt diese Kopie.

So, wer ist in dieser Geschichte nun der Geheimnisverräter?

a.) ANTON
b.) DAVE
c.) CHARLES
d.) DAVE
e.) Julian Paul Assange

Sonntag, 21. November 2010

Junge Freiheit hat so nen Bart

Bartträger Thomas Paulwitz freut sich dümmlich-provinziell darüber dass die BILD ihm hilft, Deutsch endlich ins Grundgesetz zu schreiben. Am besten auf Deutsch - damit endlich klar ist welche Sprache im Land des Grundgesetzes geschrieben und gesprochen wird.
Dabei hilft ihm jetzt auch "die SPD". DIE SPD? Nein, eigentlich nur ein Peter Friedrich und Sebastian Edathy der, falls man noch nicht von ihm gehört hat, laut Paulwitz eigentlich eher nach einem ausgemachten Arschloch als nach einem vernünftigen Sprachpfleger klingt. Gen-Inder ist er auch noch - zumindest will das bei der JF mal betont sein.
Klettert man die Sprachskala noch etwas gen Keller taucht schnell Cem Özdemir auf, der "dümmlich-provinzielle" Grünen-Politiker macht bei sowas ernstem wie der Sprache doch tatsächlich einen Witz. Das gefällt dem bierernsten Sprachpfleger natürlich nicht und deswegen ruft der laut "pfui".
Da ist ihm die BILD lieber, auch wenn die ihm die große Show bei der Unterschriftenübergabe an den Bundestag geklaut hat und deswegen bin ich heute hier.
Warum zum Kuckuck müssen alle rechten Weltverbesserer immer gleich in die ganz große Pathoskiste greifen wenn sie ihre kleinen Kriege austragen? Warum übbergibt man die Forderung nach einer Lächerlichkeit am 9. November im Bundestag? Was soll der Mist? Kann man das nicht einfach die Woche drauf oder am Tag davor machen? Wohl nicht. Schade.

Montag, 23. August 2010

Und in der braunen Ecke...

Wo begreift man ein Volk als Körper, in dem "Fäulnisprozesse im Innern der Gesellschaft" beobachtet werden können?
Wo misst man Kindergeburten in "Nettoproduktionsraten"? Wo werden "Kopftuchmädchen produziert"? Richtig, in der völkischen Ecke. In der steht heute: Thilo Sarazin ('33).
P.S.: Der Knaller ist aber tatsächlich:
Dabei wäre doch zu fragen, welche gesellschaftlichen Umstände und individuellen Dispositionen dazu führen, dass es so viele Alleinerziehende gibt, und was man dagegen tun kann.

Ich vermute, Thilo Sarazin hat genaue Vorstellungen davon was man tun muss, damit die Gebährmaschinen bei ihren Männern bleiben.

Dienstag, 23. März 2010

Achdoof

1. Wir fordern den Zusammenschluß aller Deutschen auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu einem Groß-Deutschland.

2. Wir fordern die Gleichberechtigung des deutschen Volkes gegenüber den andere Nationen, Aufhebung der Friedensverträge von Versailles und St Germain.

3. Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusses.

4. Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.

5. Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetzgebung stehen.

6. Das Recht, über Führung und Gesetze des Staates zu bestimmen, darf nur dem Staatsbürger zustehen. Daher fordern wir, daß jedes öffentliche Amt, gleichgültig welcher Art, gleich ob im Reich, Land oder Gemeinde, nur durch Staatsbürger bekleidet werden darf. Wir bekämpfen die korrumpierende Parlamentswirtschaft einer Stellenbesetzung nur nach Parteigesichtspunkten ohne Rücksichten auf Charakter und Fähigkeiten.

7. Wir fordern, daß sich der Staat verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- und Lebensmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen. Wenn es nicht möglich ist, die Gesamtbevölkerung des Staates zu ernähren, so sind die Angehörigen fremder Nationen (Nicht-Staatsbürger) aus dem Reiche auszuweisen.

8. Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern. Wir fordern, daß alle Nicht-Deutschen, die seit dem 2. August 1914 in Deutschland eingewandert sind, sofort zum Verlassen des Reiches gezwungen werden.

9. Alle Staatsbürger müssen gleiche Rechte und Pflichten besitzen.


Erkennen Sie das? Das sind die ersten neun Thesen aus dem Parteiprogramm der Linken, das erst nächste Woche veröffentlicht wird. Natürlich nicht. Das sind die ersten neun Punkte des "25-Punkte-Programm der NSDAP" . Irgendwie ist der Sozialismus da nicht so rauslesbar, dafür der Völkermord, der Antisemitismus, die Fremdenfeindlichkeit und das Demokratiedefizit. Das scheint den Braunen irgendwie so wichtig gewesen zu sein dass es vorne steht. Nur wenn noch mal einer irgendwas von "Die Nazis von heute" murmelt. Blödsinn!


Dienstag, 12. Januar 2010

Der Unzettel des Jahres und andere Sprachkritikritik

Gestern war der Einsendeschluss zum "Unwort des Jahres"-Vorschlagen. Das bedeutet, die Jury der "Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres" wird sich in den kommenden Tagen beraten und der Welt das Unwort präsentieren, das 2009 am schlimmsten und verurteilenswürdigsten war.
Das lustige ist, dass das Bloggezeter schon jetzt losgeht. Bevor noch ein Wort gesprochen ist, meckern und zetern und quengeln die ersten schon über die Jury und das Unwort und wollen ein ganz anderes haben. Nimmt man Zettel, der es mit Sprache ja schon einmal nicht hatte, dann werden einige besonders seltsame Argumente klar, die man sich merken kann.
So ist "Unwort" kein "Unwort" nur weil Zettel keine "Unrose" kennt. Dieser populistische Bauerntrick ist beliebt aber doof, weil ja Zettel zum Beispiel auch "Unding", "Undank", "Unfall" un un un kennt. Das ein Un-Nomen nicht nur ein Nicht eines Nomen ist, weiß auch Zettel. Hoffentlich. Aber vergessen kann er es ja mal wenn es gerade ins Argument passt.
Schlimmer noch als das Unargument ist das Unding im Umgang mit der Linguistik. Die, so Zettel, glaubten die Sprachkritiker nämlich auf ihrer Seite. Das ist faktisch falsch. Es gibt auf der Seite der Sprachkritischen Aktion nur einen Verweis auf die Linguistik und das in einem Aufsatz, den Rudolf Hoberg geschrieben hat. Weder die Satzung noch die Begründungen lassen etwas linguistisches erkennen.
Das ist auch nicht geplant. Man muss zwischen Linguistik und Sprachkritik trennen können um die Dinge richtig zu bewerten. Die stärkste Kritik an der Sprachkritik - auch an Dolf Sternberger - kommt von den Linguisten. Die bemängeln die sprachpolitischen Monopolisten, die Sprachkritiker sein wollen, weil diese einen vermeintlich richtigen mit einem vermeintlich moralisch falschen Sprachgebrauch vergleichen.
Genau das macht Zettel schließlich selbst. Er ernennt "Gier" zu seinem Unwort des Jahres. Er gibt eine vermeintlich richtige Definition und meckert, weil alle Welt darunter fälschlicherweise etwas anderes versteht. (Eigentlich ist das noch nicht einmal das, was die Unwortjäger machen. Es ist noch seltsamer) Das finde ich albern. Aber ich kann ja mal versuchen zu raten, was die Juroren sich diesmal ausdenken. Meine Topkandidaten sind (mit Vorhersage der Begründungen):

Klimaskeptiker (Vernebelt die Tatsache, dass ein wissenschaftlicher Konsens völlig abgelehnt wird hinter der eigentlich wissenschaftlichen Skepsis)

Spekulationsblase (Kaschiert die durch menschliches Handeln entstandenen wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten hinter einem pseudowissenschaftlich-technischen Begriff)

Umweltprämie (Der Kauf eines Autos ist kein unweltschonendes Handeln. Dieses Handeln zu prämieren kann daher auch nicht umweltschonend sein)

kriegsähnliche Zustände (Als Vermeidung des Wortes Krieg verharmlost es die Lebenswirklichkeit von Menschen im Krieg da dieser nur noch völkerrechtsrelevante Kategorie ist)

...oder, um es mit Olaf Thon zu sagen, ein Überraschungskandidat mit dem jetzt noch keiner rechnet.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Seid mal bitte still!

Daniel Fallenstein auf Antibuerokratieteam.de mit dem beliebtesten der Liberalen Unsinnsargumenten. Funktioniert ungefähr so:
"Hört auf zu kritisieren. Hier herrscht Meinungsfreiheit!"

Da könnten sich mal einige dran halten, ne?